Khalil Gibran: Von der Ehe
Dann sprach Almitra abermals und sagte: Und was ist mit der
Ehe, Meister? Und er antwortete und sprach: Ihr wurdet
zusammen geboren, und ihr werdet auf immer zusammen sein. Ihr
werdet zusammen sein, wenn die weißen Flügel des Todes eure
Tage scheiden. Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken
Gottes zusammen sein. Aber lasst Raum zwischen euch. Und lasst
die Winde des Himmels tanzen. Liebt einander, aber macht die
Liebe nicht zur Fessel: Lasst sie eher ein wogendes Meer
zwischen den Ufern eurer Seelen sein. Füllt einander den
Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden
von euch allein sein, so wie die Saiten einer Laute allein
sind und doch von derselben Musik erzittern. Gebt eure Herzen,
aber nicht in des anderen Obhut. Denn nur die Hand des Lebens
kann eure Herzen umfassen. Und steht zusammen, doch nicht zu
nah: denn die Säulen des Tempels stehen für sich, und die
Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.
|