Liebewohl

Berühmte Liebespaare: Adam und Eva - Deutungen

Jüdische Deutungen

Aus dem Vers Gen 2,18 "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei" wird nach rabbinischer Deutung die Verpflichtung des Menschen zur Eheschließung abgeleitet.

In der Sicht des hellenistisch-jüdischen Philosophen Philo von Alexandria hat die Rebellion von Adam und Eva gegen Gott die folgende Bedeutung:
Es existieren zwei Schöpfungen, die des himmlischen und die des irdischen, aus Lehm geschaffenen und der Vergänglichkeit unterworfenen Menschen. Adam steht für die Vernunft, Eva für die Sinnlichkeit, die Schlange für die Lust. Der Aufstand gegen Gott entsteht durch eine Störung der betrachtenden Vernunft, wobei die Schlange als Vehikel der Versuchung dient.

Christliche Sichtweisen

Die lateinische Kirche entwickelt aus der biblischen Erzählung den Begriff der Erbsünde, sie begreift Adam als Typ und Haupt-Figur der Menschheit. Als solcher kann er, wie der Apostel Paulus im Römerbrief (Röm 5,12-21) schreibt, ursächlich für den Tod aller Menschen sein. Diesem "alten (Menschentypus) Adam" wird Jesus Christus als der eine "neue Adam" gegenübergestellt, dessen Kreuzestod im Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters (Phil 2,8 ) und dessen Auferstehung ein Leben im Sieg über die Mächte des Todes hinaus ermöglichen (1 Kor 15,24-28.55-57).
Diese Interpretation wird aber nicht von der Ostkirche akzeptiert, wo die Erbsünde unbekannt ist; stattdessen heißt es dort, dass der Tod durch Adam und Eva in die Welt gebracht wurde und in der Auferstehung Jesu das Paradies wieder erschlossen ist (vgl. die Anastasis-Ikonen, wo Adam und Eva an der Hand des Auferstandenen aus dem Todesgrab herausführt werden, siehe unten).

Der Gegensatz von "Geist" und "Fleisch", der für Paulus grundlegend ist und der bei ihm auch hinter dem Gegensatz zwischen dem "neuen Adam" Jesus und dem "alten Adam" steht (vgl. Röm 5,12-21 , Röm 8,1-17 , Gal 5,13-26 ), ist schon in den ersten Kapiteln der Genesis zu finden. "Alle, die zu Jesus Christus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen" (Gal 5,24-25 ). Das "Kreuzigen" bedeutet nicht töten, sondern der Bestimmung durch den Geist unterwerfen im Sinn der inneren Beschneidung des Herzens durch den Geist (vgl. Röm 2,29 ; Kol 2,11 ; vgl. Dtn 30,6 ). Das so beschnittene Herz hat wieder Zugang zur Gnade und zur Sehkraft der "Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes" (Röm 5,2 ) und die Unsterblichkeit (1 Kor 15,53-57 ), die den Adam paradisus im Gnadenstand des Paradieses auszeichnet (vgl. Weish 1,13-15 , Weish 2,13-14 , Weish 9,2-3 ). Auch die beiden Bäume in der einen Mitte des Paradieses lassen sich auf diesen Gegensatz von Geist (Lebensbaum) und Fleisch (Erkenntnisbaum) zurückführen.

Esoterische Analogien

Die Sicht Philos von Alexandrien wurde auch von Paulus und den Kirchenvätern aufgegriffen und weiterentwickelt. Danach verkörpern Adam und Eva oder das Männliche und Weibliche die zwei Seiten der menschlichen Wirklichkeit: das Innere und Erinnernde des Geistes (hebr. sachar bedeutet "männlich" und "erinnern") sowie das Äußere, Erscheinende oder Umhüllende des Fleisches, welches dann im Bund der Beschneidung zurückgedrängt wird.

Die geöffnete "Seite" Adams, aus der heraus Gott die Frau bildet, wird mit "Fleisch" geschlossen (Gen 2,21 ). Die "Rippe" symbolisiert hier die Mondsichel. Hebr. zela übersetzt Othmar Schilling mit "das Gekrümmte"; zu verweisen ist auch auf zelem (Bild) und zel (Schatten). Luna gilt in den alten Kulturen als "Urgrund aller Geburt" (Johannes Lydos) oder "Mutter des irdischen Lebens" (vgl. Gen 3,20 ), deren monatlicher Zyklus die Menstruation der Frau bestimmt.

Auf den Mond verweist auch der Zahlenwert 19 von Eva, hebr. Chewa(h) (wie Chaja für "Tier"), in Zahlen 8-6-5, in der Summe 19. Das Mondjahr kann wegen der Differenz zum Sonnenjahr von knapp elf Tagen nicht einfach in zwölf gleich große Teile eingeteilt werden, sondern muss durch das Einschalten eines 13. Monats immer wieder an das Sonnenjahr angepasst werden. Dabei beträgt die Differenz in 19 Jahren genau sieben Mond-Monate. Diese 19 Jahre nennt man "ein ‚mechasor‘, eine Wiederholung, eine Zurückkehr, und somit auch Kreis oder Zyklus." Im Bildtypus der Maria Immaculata erscheint die Mutter Jesu als ‚neue Eva’ auf der Mondsichel stehend und der Schlange (des nur zeitlich-irdischen Werdens und Vergehens) den Kopf zertretend (nach Offb 12,1.7 ; Gen 3,15 ).

Darstellung im Koran

Auch der Koran kennt die Geschichte von Adam und Eva. Hier spielt Iblis eine wichtige Rolle. Aus Überheblichkeit widersetzt er sich als einziger dem Befehl Gottes, sich vor Adam niederzuwerfen. Daraufhin wird er von Gott aus dem Paradies verwiesen, erbittet sich aber Aufschub bis zum Tag des jüngsten Gerichts, um nun zu versuchen, die Menschen ebenfalls abirren zu lassen – was ihm auch gelingen soll. Dies gilt im Islam als irdische Prüfung (Koran: Sure 15, Vers 34–40). Gott warnt die Menschen vor diesem Versucher, sie lassen sich aber betören und verführen (Sure 7, Vers 22). Im Gegensatz zur christlichen Überlieferung teilen sich laut islamischer Lehre Adam und Eva die Schuld am Verzehr der verbotenen Frucht. (Sure 7, Vers 22)

Nach dem Koran ist Adams Sünde ein Fehltritt (Sure 2, Vers 36), nicht aber Abfall von Gott und Zerstörung der Beziehung zu Ihm. Deshalb ist die Folge auch nicht so schwerwiegend wie im biblischen Bericht: Statt der Ankündigung: "… sonst werdet ihr sterben" (1. Mose 2,17) warnt Gott den Menschen vor Satan: "Dass er euch nur nicht aus dem Paradies vertreibt und dich unglücklich macht!" (Sure 20, Vers 117) Durch die Sünde schadet der Mensch nur sich selber: "Unser Herr, wir haben uns selbst Unrecht getan." (Sure 7, Vers 23)

"Hierauf erwählte ihn sein Herr und er wandte sich ihm wieder zu und leitete ihn recht." (Sure 20, Vers 122) Adam und Eva werden zwar aus dem Paradies vertrieben, aber ihnen wird gesagt: "Wenn dann von mir eine Rechtleitung zu euch kommt, dann haben diejenigen, die meiner Rechtleitung folgen, nichts zu befürchten und sie werden nicht traurig sein." (Sure 2, Vers 38f)

Adam und Eva wird von Gott im Koran explizit verziehen: Sure 2 (al-Baqara), Vers 37 am Ende der Erzählung der Adamgeschichte: "Da empfing Adam von seinem Herren Worte (Bittgebete). Und er wandte sich zu ihm zu. Er ist ja der Vergebende, sich wieder Zuwendende und der Barmherzige". Diese Stelle steht im Gegensatz zu einem Glauben an eine "Erbsünde". Jeder Mensch wird mit einem "weißen Blatt" geboren, heißt es in Sprüchen des Propheten als Bestätigung. Somit wird nach islamischer Lehre jeder Mensch sündenfrei geboren.


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