Liebewohl

Berühmte Liebespaare: Antonius und Kleopatra

Zweiter Aufzug

Erste Szene

Messina. Ein Zimmer in Pompejus' Hause.


Es treten auf Pompejus, Menecrates und Menas.


POMPEJUS.

Sind sie gerecht, die Götter, schützen sie

Die Taten der Gerechten.

MENECRATES.

Denkt, Pompejus:

Was sie verzögern, nicht verweigern sie's.

POMPEJUS.

Indes wir flehn vor ihrem Throne, welkt

Die Gab', um die wir flehn.

MENECRATES.

Wir Blinden bitten

Oft unser eignes Land, das weise Mächte

Zu unserm Wohl versagt: so sind wir reicher

Durch des Gebets Verlust.

POMPEJUS.

Ich muß gedeihn!

Mich liebt das Volk, mein ist das ganze Meer,

Mein Glück ist Neumond, mein prophetisch Hoffen

Sieht schon die volle Scheibe. Marc Anton

Hält Tafel in Ägypten, wird nicht draußen

Zu Felde ziehn: Cäsar macht Geld, wo Herzen

Er einbüßt: beiden schmeichelt Lepidus,

Läßt sich von beiden schmeicheln, und liebt keinen,

Und keiner hält ihn wert.

MENECRATES.

Cäsar und Lepidus

Stehn schon im Feld, mit großer Macht gerüstet.

POMPEJUS.

Wer sagt Euch das? 's ist falsch.

MENECRATES.

Das sagte Silvius.

POMPEJUS.

Er träumt: ich weiß, sie sind in Rom zusammen,

Und harren auf Anton: doch Liebreiz würze

Der üpp'gen Cleopatra dünne Lippen,

Zauber erhöh' die Schönheit, Wollust beide;

Den Schwelger bind' ein Heer von Festgelagen,

Sein Hirn umnebelnd: Epikur'sche Köche

Schärfen mit kräftig neuen Brüh'n die Eßlust,

Daß Schlaf und Schwelgen seinen Ruhm vertagen,

Bis zur Betäubung Lethes! Was bringt Varrius?


Varrius tritt auf.


VARRIUS.

Was ich zu melden hab', ist zuverlässig:

Antonius kann zu jeder Stund' in Rom

Eintreffen; seit er Afrika verließ,

War Raum für weitre Reise.

POMPEJUS.

Mir wäre kleinre Zeitung weit willkommner.

Menas, ich glaube nicht,

Daß um so dürft'gen Krieg der Liebesschwärmer

Den Helm sich aufgesetzt: sein Feldherrngeist

Ist zwiefach der der beiden: doch erheb' uns

So höher das den Mut, daß unser Zug

Den nimmer lustgesättigten Anton

Dem Schoß der Witw' Ägyptens konnt' entreißen.

MENAS.

Ich glaube nie,

Daß Cäsar und Anton sich freundlich grüßen.

Sein Weib, nun tot, hat Cäsarn schwer gereizt,

Sein Bruder kriegte gegen ihn, obwohl

Nicht auf Antons Geheiß.

POMPEJUS.

Ich weiß nicht, Menas,

Wie bald der größern Feindschaft kleinre weicht:

Ständen wir jetzt nicht gegen alle auf,

Gerieten sie ohn' Zweifel an einander;

Denn Anlaß haben alle längst genug,

Das Schwert zu ziehn: doch wie die Furcht vor uns

Ein Leim wird ihrer Trennung und verknüpft

Die kleine Spaltung, wissen wir noch nicht. –

Sei's, wie's die Götter fügen! Unser Leben

Steht auf dem Spiel, wenn wir nicht mutig streben.

Komm, Menas!


Alle ab.

Zweite Szene

Rom. Im Hause des Lepidus.


Es treten auf Enobarbus und Lepidus.


LEPIDUS.

Mein Enobarbus, es ist wohlgetan,

Und bringt dir Ruhm, bewegst du deinen Feldherrn

Zu mildem sanften Wort.

ENOBARBUS.

Ich werd' ihn bitten,

Zu reden wie er selbst. Reizt Cäsar ihn,

So schau' Anton auf Cäsars Haupt herab,

Und donnre laut wie Mars! Beim Jupiter,

Hätt' ich Antonius' Bart an meinem Kinn,

Heut schör' ich ihn nicht ab!

LEPIDUS.

's ist nicht die Zeit

Für Zwist der einzelnen.

ENOBARBUS.

Jegliche Zeit

Paßt wohl für das, was sie zutage bringt.

LEPIDUS.

Doch muß das Kleine sich dem Größern fügen!

ENOBARBUS.

Nicht, kommt das Kleine erst.

LEPIDUS.

Ihr sprecht im Zorn;

Doch stört nicht auf die Asche! Seht, hier kommt

Der edle Marc Anton.


Antonius und Ventidius treten auf.


ENOBARBUS.

Und dort kommt Cäsar.


Cäsar, Mäcenas und Agrippa treten auf.


ANTONIUS.

Im Fall wir einig werden, dann nach Parthien;

Hörst du, Ventidius? –

CÄSAR.

Frage den Agrippa,

Mäcen; ich weiß es nicht.

LEPIDUS.

Erhabne Freunde,

Was uns vereinte, war so groß; nun laßt nicht

Geringen Zwist uns trennen! Was zu tadeln,

Hört es mit Nachsicht an: verhandeln wir

Den nicht'gen Streit so laut, dann wird ein Mord,

Was Wunden sollte heilen. Drum, edle Freunde

(Und um so mehr, je ernstlicher ich bitte),

Berührt mit mildstem Wort die herbsten Punkte,

Daß Laune nicht das Übel mehre!

ANTONIUS.

Wohl gesprochen;

Und ständ' ich vor dem Heer zum Kampf bereit,

Ich dächte so.

CÄSAR.

Willkomm' in Rom!

ANTONIUS.

Habt Dank!

CÄSAR.

Setzt Euch!

ANTONIUS.

Setzt Euch, Herr!

CÄSAR.

Nun! So ...

ANTONIUS.

Ich seh', Ihr findet Anstoß, wo nichts ist,

Und wär's, Euch nicht betrifft.

CÄSAR.

Von mir, zum Lachen,

Wenn um ein Nichts, ein Weniges, ich mich hielt'

Von Euch beleidigt; und vor allen Menschen

Von Euch zumeist: – noch lächerlicher, daß ich

Nur einmal Euch mit Abschätzung genannt,

Wenn Euern Namen auch nur auszusprechen

Mir fern lag.

ANTONIUS.

Mein Verweilen in Ägypten,

Was war es Euch?

CÄSAR.

Nicht mehr, als Euch mein Walten hier in Rom

Mocht' in Ägypten sein: doch wenn Ihr dort

Was gegen mich geschmiedet, war mir wichtig

Euer Verweilen in Ägypten.

ANTONIUS.

Wie nun! was nennt Ihr »schmieden«?

CÄSAR.

Geliebt's Euch, faßt Ihr wohl, was ich bezeichne,

Aus dem, was hier mich traf. Eu'r Weib und Bruder

Bekriegten mich: für ihren Anlauf wart

Der Vorwand Ihr: Ihr wart das Feldgeschrei!

ANTONIUS.

Ihr irrt in Eurer Ansicht. Nie berief sich

Mein Bruder je auf mich. Ich forschte nach,

Und hab' aus sichrer Kunde die Gewißheit

Von Euern Freunden selbst: bekämpft' er nicht

Mein eignes Ansehn, wie das Eurige?

Führt' er den Krieg nicht meinem Sinn entgegen,

Der Euch verbündet war? All meine Briefe

Beweisen's klar: drum, wollt Ihr Händel flicken

(Denn nicht aus ganzem Tuch könnt Ihr sie schneiden),

So muß es dies nicht sein.

CÄSAR.

Ihr preist Euch selbst,

Indem Ihr schwach mein Urteil nennt; doch Ihr

Flickt nur Entschuld'gung so.

ANTONIUS.

O nein, o nein,

Es kann Euch nicht entgehn, ich weiß gewiß,

Die sichre Folg'rung: daß, mit Euch vereint

In jener Sach', um die er Krieg geführt,

Ich nie mit Lust den Zwist betrachten konnte,

Der meine Ruh' bedroht. – Was Fulvia tat,

– Ich wünscht' Euch, solch ein Geist regiert' Eu'r Weib!

Ihr lenkt der Erde Dritteil: mit 'nem Halfter

Zügelt Ihr's leicht, doch nimmer solch ein Weib.

ENOBARBUS.

Hätten wir doch alle solche Weiber, daß die

Männer mit ihren Weibern in den Krieg gehn könnten! –

ANTONIUS.

Ganz widerspenstig hatt' ihr Kampftumult,

Erregt von ihrem Jähzorn, dem nicht fehlte

Der Klugheit bittre Schärfe – (mit Euch beklag' ich's) –,

Euch Unruh' viel erregt. Doch gebt mir zu,

Dies ändern konnt' ich nicht.

CÄSAR.

Ich schrieb an Euch:

Ihr aber, schwelgend in Ägypten, stecktet

Beiseit mein Schreiben, und mit Hohn und Lachen

Ward ungehört mein Bote fortgewiesen.

ANTONIUS.

Er fiel mich an, noch kaum gemeldet: eben

Hatt' ich drei Könige bewirtet, und mir fehlte,

Was ich am Morgen war: doch nächsten Tags

Sagt' ich dies selbst ihm, was nicht minder war,

Als um Verzeihung bitten. – Nicht der Bursch

Sei nur genannt im Zwist, und wenn wir streiten,

Sei er ganz ausgestrichen!

CÄSAR.

Eures Eids

Hauptpunkt habt Ihr gebrochen: des kann nimmer

Mich Eure Zunge zeihn.

LEPIDUS.

Halt, Cäsar!

ANTONIUS.

Nein,

Lepidus, laßt ihn reden! –

Die Ehr' ist rein und heilig, die er angreift,

Im Wahn, ich sei ihr treulos. Weiter, Cäsar,

Der Hauptpunkt meines Eids ...

CÄSAR.

Mir Hülf' und Macht zu leihn, wenn ich's verlangte,

Und beides schlugt Ihr ab.

ANTONIUS.

Versäumt' es nur;

Und zwar, als ein vergiftet Dasein mir

Mein Selbstbewußtsein raubte. So viel möglich,

Zeig' ich den Reuigen: doch mein Gradsinn soll

Nicht meine Größe schmälern; meine Macht

Nicht ohne diesen wirken. Wahr ist's, Fulvia

Bekriegt' Euch, aus Ägypten mich zu scheuchen:

Wofür ich jetzt, unwissentlich die Ursach',

Soweit Verzeihung bitt', als ich mit Würde

Nachgeben kann.

LEPIDUS.

Ihr spracht ein edles Wort.

MÄCENAS.

Gefiel's euch doch, nicht ferner zu gedenken

Des Streites: um ihn gänzlich zu vergessen,

Erinnert euch, wie gegenwärt'ge Not

Euch an Versöhnung mahnt!

LEPIDUS.

Ein würd'ges Wort! –

ENOBARBUS.

Oder wenn ihr euch einer des andern Freundschaft für den Augenblick borgt, könnt ihr sie, wenn vom Pompejus nicht mehr die Rede ist, wieder zurückgeben: ihr mögt Zeit zu zanken finden, wenn ihr sonst nichts anders zu tn habt.

ANTONIUS.

Du bist nur ganz Soldat, drum sprich nicht mehr!

ENOBARBUS.

Ich hätte bald vergessen, daß Wahrheit schweigen muß.

ANTONIUS.

Du kränkst den würd'gen Kreis, drum sprich nicht mehr!

ENOBARBUS.

Schon recht: so bin ich Eu'rvorsicht'ger Stein. –

CÄSAR.

Ich tadle nicht den Inhalt seiner Rede,

Nur ihre Weise: denn unmöglich scheint's,

Daß Freundschaft bleibe, wenn die Sinnesart

Im Tun so abweicht. Doch, wüßt' ich den Reif,

Der uns verfestigte, von Pol zu Pol

Sucht' ich ihn auf.

AGRIPPA.

Wollt Ihr vergönnen, Cäsar ...

CÄSAR.

Agrippa, sprich!

AGRIPPA.

Du hast 'ne Schwester von der Mutter Seite,

Die herrliche Octavia. Der große Marc Anton

Ward Witwer, –

CÄSAR.

Sprich kein solches Wort, Agrippa:

Hätt' es Cleopatra gehört, mit Recht

Nennte sie jetzt dich übereilt.

ANTONIUS.

Ich bin vermählt nicht, Cäsar: laß mich wissen

Agrippas fernre Meinung!

AGRIPPA.

Euch in beständ'ger Freundschaft zu erhalten,

Euch brüderlich zu einen, eure Herzen

Unlösbar fest zu knüpfen, nehm' Anton

Octavia zur Gemahlin, deren Schönheit

Wohl fordern kann den besten Mann der Welt,

Und deren Güt' und Anmut sie erhebt,

Mehr als es Worte könnten. Durch dies Bündnis

Wird kleine Eifersucht, die groß nun scheint,

Und große Frucht, die jetzt Gefahren droht,

In Nichts verschwinden: Wahrheit wird dann Märchen,

Wie halbe Mär jetzt Wahrheit: – beide liebend,

Verstärkt sie eure Wechsellieb' und zieht

Der Völker Liebe nach. – Verzeiht die Rede,

Denn sie ward längst geprüft, nicht schnell ersonnen,

Pflichtmäßig reif bedacht.

ANTONIUS.

Will Cäsar reden?

CÄSAR.

Nicht bis er hört, was Marc Anton erwidert

Dem schon Gesagten.

ANTONIUS.

Was vermag Agrippa,

Wenn ich nun spräch': »Agrippa, also sei's!« –

Dies gut zu machen? –

CÄSAR.

Cäsars ganze Macht,

Und was sein Wort der Schwester gilt.

ANTONIUS.

Nie mög' ich

Dem edlen Antrag, der so herrlich glänzt,

Verhind'rung träumen. Reich' mir deine Hand,

Fördre den frommen Bund; und nun, von Stund' an,

Regier' in unsrer Liebe Brudereintracht,

Das hohe Ziel erstrebend!

CÄSAR.

Nimm die Hand.

Dir schenk' ich eine Schwester, wie kein Bruder

So zärtlich eine je geliebt: sie lebe,

Zu binden unsre Reich' und Herzen. Flieh'

Nie wieder unsre Liebe! –

LEPIDUS.

Glück und Amen! –

ANTONIUS.

Ich dachte nicht, Pompejus zu bekämpfen,

Denn großen Freundschaftsdienst erwies er mir

Vor kurzem erst: Dank darf er von mir fordern,

Daß mich der Ruf nicht unerkenntlich nenne: –

Das abgetan, entbiet' ich ihn zum Kampf.

LEPIDUS.

Es drängt die Zeit:

Pompejus müssen wir alsbald nun suchen,

Sonst sucht er uns.

ANTONIUS.

Wo ankert seine Flotte?

CÄSAR.

Am Vorgebirg' Misenum.

ANTONIUS.

Seine Landmacht,

Wie stark?

CÄSAR.

Groß und im Wachsen; doch zur See

Gebeut er unumschränkt.

ANTONIUS.

So sagt der Ruf. –

Hätt' ich ihn doch gesprochen! Hin in Eil'! –

Doch eh' wir uns bewaffnen, bringt zu Ende,

Was eben ward gelobt!

CÄSAR.

Mit höchster Freude:

So lad' ich Euch zum Anblick meiner Schwester,

Und führ' Euch gleich zu ihr.

ANTONIUS.

Gönnt, Lepidus,

Uns Eure Gegenwart!

LEPIDUS.

Edler Antonius,

Selbst Krankheit hielt' mich nicht zurück.

Trompetenstoß. Cäsar, Antonius und Lepidus ab.


MÄCENAS.

Willkommen von Ägypten, Herr!

ENOBARBUS.

Hälfte von Cäsars Herzen, würdiger Mäcenas!

Mein ehrenwerter Freund Agrippa! –

AGRIPPA.

Wackrer Enobarbus!

MÄCENAS.

Wir haben Ursach', froh zu sein, daß alles sich so gut entwirrt hat. Ihr habt's euch indessen in Ägypten wohl sein lassen?

ENOBARBUS.

Ja, Herr, wir schliefen, daß sich der helle Tag schhämte, und machten die Nacht mit Trinken hell.

MÄCENAS.

Acht wilde Schweine ganz gebraten zum Frühstück, und nur für zwölf Personen, ist das wahr?

ENOBARBUS.

Das war nur wie eine Fliege gegen einen Adler; wir hatten viel andre ungeheure Dinge bei unsern Festen, die wohl wert waren, daß man darauf achtete.

MÄCENAS.

Sie ist eine ganz unwiderstehliche Frau, wenn sie ihrem Ruf entspricht.

ENOBARBUS.

Als sie den Marc Anton das erste Mal sah, stahl sie ihm sein Herz; es war auf dem Flusse Cydnus.

AGRIPPA.

Dort zeigte sie sich ihm in der Tat, oder mein Berichterstatter hat viel für sie erfunden.

ENOBARBUS.

Ich will's berichten. –

Die Bark', in der sie saß, ein Feuerthron,

Brannt' auf dem Strom: getriebnes Gold der Spiegel,

Die Purpursegel duftend, daß der Wind

Entzückt nachzog; die Ruder waren Silber,

Die nach der Flöten Ton Takt hielten, daß

Das Wasser, wie sie's trafen, schneller strömte,

Verliebt in ihren Schlag; doch sie nun selbst –

Zum Bettler wird Bezeichnung: sie lag da,

In ihrem Zelt, das ganz aus Gold gewirkt,

Noch farbenstrahlender als jene Venus,

Wo die Natur der Malerei erliegt.

Zu beiden Seiten ihr holdsel'ge Knaben,

Mit Wangengrübchen, wie Cupido lächelnd,

Mit bunten Fächern, deren Wenn durchglühte

(So schien's) die zarten Wangen, die sie kühlten;

Anzündend statt zu löschen.

AGRIPPA.

Ihm, welch Schauspiel! –

ENOBARBUS.

Die Dienerinnen, wie die Nereiden,

Spannten, Sirenen gleich, nach ihr die Blicke,

Und Schmuck ward jede Beugung; eine Meerfrau

Lenkte das Steuer; seidnes Tauwerk schwoll

Dem Druck so blumenreicher Händ' entgegen,

Die frisch den Dienst versahn. Der Bark' entströmend

Betäubt' ein würz'ger Wohlgeruch die Sinne

Der nahen Uferdämme; sie zu sehn

Ergießt die Stadt ihr Volk; und Marc Anton,

Hochthronend auf dem Marktplatz, saß allein,

Und pfiff der Luft, die, wär' ein Leeres möglich,

Sich auch verlor, Cleopatra zu schaun,

Und einen Riß in der Natur zurückließ.

AGRIPPA.

O wundervolles Weib! –

ENOBARBUS.

Als sie gelandet, bat Antonius sie

Zur Abendmahlzeit; sie erwiderte,

Ihr sei willkommner, ihn als Gast zu sehn,

Und lud ihn. Unser höflicher Anton,

Der keiner Frau noch jemals nein gesagt,

Zehnmal recht schmuck barbiert, geht zu dem Fest,

Und dort muß nun sein Herz die Zeche zahlen,

Wo nur sein Auge zehrte.

AGRIPPA.

Zauberin! –

Sie ließ des großen Cäsars Schwert zu Bett gehn:

Er pflügte sie, sie erntete.

ENOBARBUS.

Ich sah sie

Einst wen'ge Schritte durch die Straße hüpfen,

Und als sie atemlos, sprach sie in Pausen:

So daß zur Anmut sie den Fehl erhob

Und ohne Atem Kraft entatmete.

MÄCENAS.

Nun muß Antonius sie durchaus verlassen!

ENOBARBUS.

Niemals! Das wird er nicht! Nicht kann sie Alter

Hinwelken, täglich Sehn an ihr nicht stumpfen

Die immerneue Reizung; andre Weiber

Sätt'gen die Lust gewährend: sie macht hungrig,

Je reichlicher sie schenkt; denn das Gemeinste

Wird so geadelt, daß die heil'gen Priester

Sie segnen, wenn sie buhlt.

MÄCENAS.

Wenn Schönheit, Sitt' und Weisheit fesseln könne

Das Herz Antons, dann ist Octavia ihm

Ein segensreiches Los.

AGRIPPA.

Kommt, laßt uns gehn!

Ihr, werter Enobarbus, seid mein Gast,

Solang' Ihr hier verweilt.

ENOBARBUS.

Ich dank' Euch bestens.


Alle ab.

Dritte Szene

Daselbst. In Cäsars Hause.


Es treten auf Cäsar, Antonius, Octavia zwischen ihnen; Gefolge; ein Wahrsager.


ANTONIUS.

Die Welt, mein großes Amt, wird jezuweilen

Von deiner Brust mich trennen.

OCTAVIA.

All die Zeit

Beugt vor den Göttern betend sich mein Knie

Zu deinem Heil.

ANTONIUS.

Gut Nacht, Herr! O Octavia,

Lies meinen Tadel nicht im Ruf der Welt:

Ich hielt nicht stets das Maß, doch für die Zukunft

Fügt alles sich der Form. Gut Nacht, Geliebte! –

OCTAVIA.

Gut Nacht, Herr!

CÄSAR.

Gute Nacht!


Cäsar und Octavia ab.


ANTONIUS.

Nun, Freund? Du sehnst dich heim wohl nach Ägypten?

WAHRSAGER.

Ging' ich doch nie von dort, noch jemals Ihr

Dahin!

ANTONIUS.

Den Grund, wenn's einen gibt?

WAHRSAGER.

Ich seh' ihn

Im Geist; doch nicht mit Worten fass' ich's. Dennoch

Eilt nur nach Afrika!

ANTONIUS.

Weissage mir,

Wes Glück steigt höher? Cäsars oder meins?

WAHRSAGER.

Cäsars;

Drum, o Antonius, weile nicht bei ihm!

Dein Geist, der dich beschützt, dein Dämon, ist

Hochherzig, mutig, edel, unerreichbar,

Dem Cäsar fern; doch nah ihm wird dein Engel

Zur Furcht, wie eingeschüchtert. Darum bleibe

Raum zwischen dir und ihm!

ANTONIUS.

Sag das nicht mehr!

WAHRSAGER.

Niemand als dir: dir nicht zum zweiten Mal!

Versuche du mit ihm, welch Spiel du willst,

Gewiß verlierst du; sein natürlich Glück

Schlägt dich, wie schlecht er steht; dein Glanz wird trübe,

Strahlt er daneben: noch einmal, dein Geist,

Kommt er ihm nah, verliert den Mut zu herrschen, –

Doch ihm entfernt, erhebt er sich.

ANTONIUS.

Hinweg!

Sag dem Ventidius, sprechen woll' ich ihn:


Wahrsager ab.


Er soll nach Parthien. – Ob Geschick, ob Zufall,

Er sagte wahr. Der Würfel selbst gehorcht ihm!

In unsern Spielen weicht vor seinem Glück

Mein beßrer Plan: ziehn wir ein Los, gewinnt er;

Sein Hahn siegt' über meinen stets im Kampf,

Wenn Alles gegen Nichts stand; seine Wachtel

Schlug meine, ob auch schwächer. Nach Ägypten!

Und schloß ich diese Heirat mir zum Frieden,


Ventidius kommt.


Im Ost wohnt meine Lust. O komm, Ventidius,

Du mußt nach Parthien; fertig ist dein Auftrag,

Komm mit und hol' ihn!


Gehn ab.

Vierte Szene

Daselbst. Eine Straße.


Es treten auf Lepidus, Mäcenas und Agrippa.


LEPIDUS.

Bemüht euch ferner nicht; ich bitt' euch, eilt,

Folgt eurem Feldherrn nach!

AGRIPPA.

Herr, Marc Anton

Umarmt nur noch Octavien; gleich dann gehn wir.

LEPIDUS.

Bis ich euch wiederseh' in Kriegertracht,

Die beide zieren wird, lebt wohl!

MÄCENAS.

Wir sind,

Kenn' ich die Gegend recht, am Vorgebirg'

Noch eh'r als Ihr.

LEPIDUS.

Weil eure Straße kürzer –

Mein Vorsatz führt mich einen weiten Umweg,

Ihr kommt zwei Tage früher.

MÄCENAS.

Viel Erfolg!

LEPIDUS.

Lebt wohl!


Alle ab.

Fünfte Szene

Alexandrien. Zimmer im Palast.


Cleopatra, Charmion, Iras und Alexas treten auf.


CLEOPATRA.

Gebt mir Musik; Musik, schwermüt'ge Nahrung

Für uns verliebtes Volk! –

DIENER.

He! Die Musik!


Mardian kommt.


CLEOPATRA.

Laßt es nur sein! Wir woll'n zum Kugelspiel:

Komm, Charmion!

CHARMION.

Mich schmerzt der Arm; spielt doch mit Mardian!

CLEOPATRA.

Ein Weib spielt mit dem Hämling wohl so gut

Als mit 'nem Weibe. Wollt Ihr mit mir spielen?

MARDIAN.

Fürstin, so gut ich kann.

CLEOPATRA.

Wo guter Will' ist, käm' er auch zu kurz,

Muß man dem Spieler nachsehn. Doch was anders:

Gebt mir die Angel, kommt zum Flusse; dort,

Während Musik von fern erklingt, berück' ich

Den goldbefloßten Fisch, mit krummen Haken

Die schleim'gen Kiefern fassend, und bei jedem,

Den ich aufzog, denk' ich, es sei Anton,

Und sag: »Aha! dich fing ich!« –

CHARMION.

Lustig war;

Mit ihm das Wette-Angeln, als Eu'r Taucher

Den Salzfisch hängt' an seine Schnur, den er

So eifrig aufzog.

CLEOPATRA.

Jene Zeit! O Zeiten!

Ich lacht' ihn aus der Ruh'; dieselbe Nacht

Lacht' ich ihn in die Ruh'; den nächsten Morgen

Noch vor neun Uhr trank ich ihn auf sein Lager,

Tat meinen Mantel ihm und Schleier um,

Und ich derweil trug sein Philippisch Schwert. –

O von Italien! –


Ein Bote kommt.


Stopf' mir fruchtbare Zeitung in mein Ohr,

Das lange brach gelegen!

BOTE.

Fürstin! Fürstin! –

CLEOPATRA.

Antonius tot? –

Sagst du das, Sklav', so mord'st du deine Herrin: –

Doch meld'st du ihn

Gesund und frei, nimm Gold, und hier zum Kuß

Die blausten Adern: eine Hand, die zitternd

Der Kön'ge Lippen küßten.

BOTE.

Er ist wohl.

CLEOPATRA.

Hier noch mehr Gold! – Doch, Mensch, wir sagen oft,

Wohl sei den Toten: wenn du's so gemeint,

Schmelz' ich das Gold, das ich dir gab, und gieß' es

In deinen Gott verhaßten Schlund.

BOTE.

Oh, hört mich!

CLEOPATRA.

Nun wohl, ich will's –

Doch sagt dein Blick nichts Gutes. Wenn Anton

Frei und gesund, – wozu die finstre Miene

Zu solcher frohen Post? Ist ihm nicht wohl,

Sollt'st du als Furie kommen, schlangumkränzt,

Und nicht in Mannsgestalt.

BOTE.

Wollt Ihr mich hören?

CLEOPATRA.

Ich möchte gleich dich schlagen, eh' du sprichst:

Doch wenn du meld'st, Anton sei wohl, er lebe,

Sei Cäsars Freund, und nicht von ihm gefangen,

Dann ström' ein goldner Regen dir, ein Hagel

Von reichen Perlen!

BOTE.

Er ist wohl.

CLEOPATRA.

Recht gut.

BOTE.

Und Cäsars Freund.

CLEOPATRA.

Du bist ein wackrer Mann!

BOTE.

Cäsar und er sind größre Freund' als je.

CLEOPATRA.

Begehr' ein Glück von mir!

BOTE.

Fürstin, und doch ...

CLEOPATRA.

Ich hasse dies »und doch«: es macht zu Nichts

Den guten Vordersatz: Pfui dem »und doch«:

»Und doch« ist wie ein Scherg' und führt heran

Fluchwürd'ge Missetäter. Bitt' dich, Freund,

Geuß mir die ganze Botschaft in mein Ohr,

Das Schlimm' und Gute. – Er ist Freund mit Cäsar,

Gesund und frisch, sagst du, und sagst, in Freiheit?

BOTE.

In Freiheit, Fürstin? Nein, so sagt' ich nicht:

Octavia bindet ihn.

CLEOPATRA.

In welchem Sinn?

BOTE.

Als Eh'gemahl.

CLEOPATRA.

Ich zittre, Charmion.

BOTB.

Fürstin, er ist Octavien vermählt!

CLEOPATRA.

Die giftigste von allen Seuchen dir!


Schlägt ihn.


BOTE.

Geduld, o Königin!

CLEOPATRA.

Was sagst du? Fort,

Elender Wicht! Sonst stoß' ich deine Augen

Wie Bälle vor mir her; raufe dein Haar,

Lasse mit Draht dich geißeln, brühn mit Salz,

In Lauge scharf gesättigt.

BOTE.

Gnäd'ge Fürstin,

Ich meldete die Heirat, schloß sie nicht!

CLEOPATRA.

Sag, 's ist nicht so: ich schenke dir ein Land,

Daß du im Glücke schwelgest; jener Schlag

Sei Buße, daß du mich in Wut gebracht,

Und ich gewähre jede Gunst dir noch,

Die Demut wünschen mag.

BOTE.

Er ist vermählt.

CLEOPATRA.

Schurke, du hast zu lang gelebt ...


Zieht einen Dolch.


BOTE.

Dann lauf ich –

Was wollt Ihr, Fürstin, 's ist nicht mein Vergehn!


Ab.


CHARMION.

O Fürstin, faßt Euch! Seid nicht außer Euch! –

Der Mann ist schuldlos!

CLEOPATRA.

Wie manch Unschuld'gen trifft der Donnerkeil!

Der Nil ersäuf' Ägypten! Werdet Schlangen,

Ihr sanftesten Geschöpfe! – Ruf' den Sklaven:

Bin ich auch toll, ich beiß' ihn nicht. – Ruft ihn!

CHARMION.

Er fürchtet sich vor dir.

CLEOPATRA.

Ich tu' ihm nichts.

Ihr Hände seid entadelt, weil ihr schlugt

Den Mindern als ich selbst: denn nur ich selbst

War Ursach' meines Zorns. – Hieher denn, komm!


Bote kommt zurück.


Obwohl es redlich ist, war's nimmer gut,

Die schlimme Nachricht bringen: Freudenbotschaft

Verkünd' ein Heer von Zungen, doch die schlimme

Mag selbst sich melden, wenn man sie empfindet.

BOTE.

Ich tat nach meiner Pflicht.

CLEOPATRA.

Ist er vermählt?

Ich kann nicht mehr dich hassen, als ich tat,

Sagst du noch einmal ja.

BOTE.

Er ist vermählt.

CLEOPATRA.

Fluch über dich! So bleibst du stets dabei? –

BOTE.

Sollt' ich denn lügen?

CLEOPATRA.

O daß du es tät'st!

Und wär' mein halb Ägypten überschwemmt,

Ein Pfuhl für schupp'ge Nattern! Geh, entfleuch:

Hätt'st du ein Antlitz wie Narziß, für mich

Schienst du ein Ungeheuer! – Er vermählt? –

BOTE.

Ich bitt' Euch um Vergebung ...

CLEOPATRA.

Er vermählt?

BOTE.

Zürnt nicht, daß ich Euch nicht erzürnen will;

Mich dafür strafen, was Ihr selbst verlangt,

Scheint höchst unrecht. – Er ist Octaviens Gatte.

CLEOPATRA.

O daß dein Frevel dich zum Schurken macht,

Der du nicht bist! Wie! weißt du's sicher? Fort!

Die Ware, die du mir von Rom gebracht,

Ist mir zu teuer; bleibe sie dir liegen,

Und möge dich verderben!


Bote ab.


CHARMION.

Faßt Euch, Hoheit!

CLEOPATRA.

Antonius zu erheben, schalt ich Cäsarn ...

CHARMION.

Oft, gnäd'ge Fürstin.

CLEOPATRA.

Dafür lohnt er nun! –

Führt mich von hier!

Mir schwindelt. Iras, Charmion! – Es geht vorüber!

Geh zu dem Boten, mein Alexas, heiß' ihn

Octavias Züge schildern, ihre Jahre,

Ihr ganz Gemüt: er soll dir nicht vergessen

Die Farbe ihres Haars: gib schnell mir Nachricht!


Alexas ab.


Er geh' auf immer! – Nein doch! Liebe Charmion,

Wenn er auch Gorgo ähnlich sieht von hier,

Von dort gleicht er dem Mars; sag dem Alexas,

Er melde mir, wie groß sie ist. Hab' Mitleid,

Doch sag nichts, Charmion! – Führt mich in mein Zimmer!


Alle ab.

Sechste Szene

In der Nähe von Misenum.


Es treten auf von der einen Seite Pompejus und Menas, mit Trommeln und Trompeten; von der andern Cäsar, Antonius, Lepidus, Enobarbus und Mäcenas mit Truppen.


POMPEJUS.

Ihr habt nun meine Geiseln, ich die Euern:

So laßt uns reden vor der Schlacht!

CÄSAR.

Sehr löblich,

Daß erst verhandelt werde; darum sandt' ich

Voraus, was wir dir schriftlich zugestanden.

Hast du dies wohl erwogen, zeig' uns an,

Ob's in der Scheide hält dein zürnend Schwert

Und führt zurück Siziliens mut'ge Jugend,

Die sonst hier fallen muß.

POMPEJUS.

Hört mich, ihr drei

Allein'ge Rechtsverweser dieser Welt,

Höchste Statthalter Jupiters: Ich weiß nicht,

Weshalb mein Vater Rache sollt' entbehren,

Dem Sohn und Freunde blieben, da doch Cäsar,

Der sich dem edlen Brutus offenbart,

Euch bei Philippi für ihn kämpfen sah.

Was trieb den bleichen Cassius zur Verschwörung?

Was tränkte der altröm'sche biedre Brutus,

Und wer noch sonst für holde Freiheit focht,

Mit Blut das Kapitol? Nur daß ein Mann

Nicht mehr sei als ein andrer Mann! Und deshalb

Rüstet' auch ich die Seemacht, deren Last

Das Meer zornschäumend trägt, mit ihr zu geißeln

Den Undank, den dies schnöde Rom erwies

Meinem erhabnen Vater.

CÄSAR.

Nimm wahr der Zeit!

ANTONIUS.

Du schreckst mit deiner Flott' uns nicht, Pompejus:

Wir sprechen uns zur See; zu Lande weißt du,

Wie viel wir reicher sind.

POMPEJUS.

O ja, zu Lande

Bist reicher du durch meines Vaters Haus;

Doch weil der Kuckuck für sich selbst nicht baut,

Bleib' drin, solang' du kannst!

LEPIDUS.

Gefällt's Euch, sagt

(Denn dies führt uns vom Ziel), wie Euch bedünkt

Der Vorschlag, den wir taten.

CÄSAR.

Dies der Punkt. –

ANTONIUS.

Nicht sei dazu gebeten, sondern wäge,

Was du dadurch gewinnst.

CÄSAR.

Und was geschehn kann,

Noch größres Glück zu finden.

POMPEJUS.

Ihr botet mir

Sizilien und Sardinien, und ich soll

Das Meer befrein von Räubern; soll nach Rom

Vorrat von Weizen senden: tu' ich das,

Ziehn wir mit unzerhacktem Schwert nach Haus

Und glattem Schild.

CÄSAR, ANTONIUS, LEPIDUS.

Das boten wir.

POMPEJUS.

So wißt,

Ich kam vor euch hieher mit dem Entschluß

Dies anzunehmen; nur daß Marc Anton

Ein wenig mich verstimmt. – Büß' ich schon ein

An Ruhm, erzähl' ich's selber: – dennoch, wißt!

Als Cäsar Krieg mit Euren Brüdern führte,

Fand Eure Mutter in Sizilien damals

Den gastlichsten Empfang.

ANTONIUS.

Ich weiß, Pompejus,

Und sann zeither auf edle Dankbarkeit,

Die ich Euch schuldig.

POMPEJUS.

Gebt mir Eure Hand:

Ich hätte nicht gedacht, Euch hier zu treffen.

ANTONIUS.

Es ruht sich sanft im Osten, und ich dank' Euch,

Daß Ihr mich herrieft, eh's mein Vorsatz war;

Denn ich gewann dabei.

CÄSAR.

Seit ich Euch sah,

Habt Ihr Euch sehr verändert.

POMPEJUS.

Nun, ich weiß nicht,

Wie herbes Schicksal mein Gesicht gefurcht; –

Doch nimmer soll mir's dringen in die Brust,

Mein Herz zu überwält'gen.

LEPIDUS.

Seid willkommen!

POMPEJUS.

Das hoff' ich, Lepidus. So sind wir eins. –

Ich wünschte nun geschrieben den Vertrag

Und unterzeichnet.

CÄSAR.

Das geschehe gleich!

POMPEJUS.

Wir wollen uns bewirten, eh' wir scheiden.

Und losen, wer beginnt. –

ANTONIUS.

Laßt mich beginnen!

POMPEJUS.

Nein, losen wir, Antonius: ob der erste,

Ob letzte; Eurer Kochkunst aus Ägypten

Gebührt der Preis. Ich hörte, Julius Cäsar

Ward dort vom Schmausen fett.

ANTONIUS.

Ihr hörtet vieles!

POMPEJUS.

Ich mein' es gut.

ANTONIUS.

Und setzt die Worte gut.

POMPEJUS.

Nun wohl, ich hört' es;

Und hört' auch das: Apollodorus trug ...

ENOBARBUS.

O still davon! Er trug ...

POMPEJUS.

Was? –

ENOBARBUS.

Eine gewisse

Monarchin hin zum Cäsar in 'ner Decke.

POMPEJUS.

Nun kenn' ich dich; wie geht dir's, Kriegsmann?

ENOBARBUS.

Gut;

Und, wie mir's scheint, auch ferner gut: ich sehe,

Vier Schmäuse sind im Werk.

POMPEJUS.

Reich' mir die Hand;

Ich hab' dich nie gehaßt; ich sah dich fechten

Und neidete dir deinen Mut.

ENOBARBUS.

Mein Feldherr,

Ich liebt' Euch nie sehr stark, doch lobt' ich Euch,

Da Ihr wohl zehnmal so viel Lob verdient,

Als ich Euch zugestand.

POMPEJUS.

Dein offnes Wesen

Erhalte dir, es steht dir wohl. –

Ich lad' euch all' an Bord meiner Galeere;

Wollt ihr vorangehn?

ALLE.

Führt uns, Feldherr! –

POMPEJUS.

Kommt!


Pompejus, Cäsar, Antonius, Lepidus, Soldaten und Gefolge ab.


MENAS beiseit.

Dein Vater, Pompejus, wäre nimmer diesen Vergleich eingegangen. – Ihr und ich haben uns schon gesehn, Herr.

ENOBARBUS.

Zur See, denk' ich.

MENAS.

Ganz recht, Herr.

ENOBARBUS.

Ihr habt Euch gut zur See gehalten.

MENAS.

Und Ihr zu Lande.

ENOBARBUS.

Ich werde jeden loben, der mich lobt, obgleich nicht zu leugnen ist, was ich zu Lande getan.

MENAS.

Noch was ich zu Wasser getan. –

ENOBARBUS.

Nun, etwas könnt Ihr schon für Eure Sicherheit leugnen: Ihr seid ein großer Dieb zur See gewesen.

MENAS.

Und Ihr zu Lande.

ENOBARBUS.

Solchen Landdienst leugne ich ab. Aber gebt mir die Hand, Menas: hätten unsre Augen jetzt Vollmacht, so würden sie hier zwei sich küssende Diebe ertappen.

MENAS.

Aller Menschen Gesichter sind ohne Falsch, wie auch ihre Hände beschaffen sind.

ENOBARBUS.

Aber noch kein hübsches Weib hatte je ein Gesicht ohne Falsch.

MENAS.

Das ist kein Tadel, sie stehlen Herzen.

ENOBARBUS.

Wir kamen, mit euch zu fechten.

MENAS.

Mir für mein Teil tut's leid, daß daraus ein Trinkgelag' ward. Pompejus lacht heut sein Glück weg!

ENOBARBUS.

Wenn das ist, so kann er's gewiß nicht wieder zurück weinen.

MENAS.

Sehr gewiß, Herr. Wir dachten nicht, Marcus Antonius hier zu treffen. Sagt doch, ist er mit Cleopatra vermählt? –

ENOBARBUS.

Cäsars Schwester heißt Octavia.

MENAS.

Jawohl, sie war des Cajus Marcellus Weib.

ENOBARBUS.

Und ist nun des Marcus Antonius Weib.

MENAS.

Was Ihr sagt!

ENOBARBUS.

's ist wahr!

MENAS.

Dann sind Cäsar und er für immer an einander geknüpft!

ENOBARBUS.

Wenn es meines Amtes wäre, von dieser Vereinigung zu weissagen, ich prophezeite nicht so.

MENAS.

Ich denke, in dieser Angelegenheit tat die Politik mehr für die Heirat, als die Liebe der Vermählten.

ENOBARBUS.

Das denk' ich auch. Aber Ihr sollt sehn, das Band, das ihre Freundschaft zu verknüpfen scheint, erwürgt ihre Verbrüd'rung. Octavia ist von kaltem, stillen Temperament.

MENAS.

Wer wünschte sein Weib nicht so? –

ENOBARBUS.

Der nicht, der selbst nicht so ist; und das ist Marc Anton. Sein ägyptisches Mahl wird ihn zurückziehen: dann werden Octavias Seufzer Cäsars Feuer anfachen, und wie ich vorhin sagte: was die Befestigung ihres Bundes scheint wird die unmittelbare Veranlassung ihrer Entzweiung werden. Antonius wird seine Liebe zeigen, wo sie ist; hier hat er nur seinen Vorteil geheiratet. –

MENAS.

So wird's wohl kommen. Sagt, Herr, wollt Ihr an Bord? Ich habe eine Gesundheit für Euch.

ENOBARBUS.

Die nehm' ich an, Herr; wir haben unsre Gurgeln in Ägypten eingeübt.

MENAS.

Wir wollen gehn.


Beide ab.

Siebente Szene

An Bord von Pompejus' Galeere.


Musik. Es treten auf zwei oder drei Diener, die ein

Bankett anrichten.


ERSTER DIENER.

Gleich werden sie hier sein, Kam'rad; ein paar von diesen edlen Bäumen sind nicht mehr im Boden festgewurzelt, der kleinste Wind kann sie umwerfen.

ZWEITER DIENER.

Lepidus ist schon hochrot.

ERSTER DIENER.

Der hat trinken müssen, wie keiner mehr mochte. –

ZWEITER DIENER.

Wie nur einer dem andern den wunden Fleck berührt, ruft er: »Haltet ein!« und macht, daß jeder sich seinen Friedensworten und er sich dem Becher ergibt.

ERSTER DIENER.

Desto größerer Krieg erhebt sich zwischen ihm und seinen fünf Sinnen.

ZWEITER DIENER.

Das kommt dabei heraus, in großer Herren Gesellschaft Kam'rad zu sein; ebenso gern hätte ich ein Schilfrohr, das mir nichts mehr nutzen kann, als eine Hellebarde, die ich nicht regieren könnte.

ERSTER DIENER.

In eine große Sphäre berufen sein, und sich nicht einmal darin bewegen können, ist wie Löcher, wo Augen sein sollten; was das Gesicht jämmerlich entstellt.


Eine Zinke wird geblasen. Es treten auf Cäsar, Antonius, Pompejus, Lepidus, Agrippa, Mäcenas, Enobarbus, Menas und andre Hauptleute.


ANTONIUS zum Cäsar.

So ist der Brauch: sie messen dort den Strom

Nach Pyramidenstufen; daran sehn sie,

Nach Höhe, Tief' und Mittelstand, ob Teurung,

Ob Fülle folgt. Je höher schwoll der Nil,

Je mehr verspricht er; fällt er dann, so streut

Der Sämann auf den Schlamm und Moor sein Korn,

Und erntet bald nachher.

LEPIDUS.

Ihr habt seltsame Schlangen dort! –

ANTONIUS.

Ja, Lepidus. –

LEPIDUS.

Eure ägyptische Schlange wird also durch die Kraft eurer Sonne aus eurem Schlamm ausgebrütet; so auch euer Krokodil? –

ANTONIUS.

So ist's.

POMPEJUS.

Setzt Euch! – Mehr Wein! Auf Lepidus' Gesundheit!

LEPIDUS.

Mir ist nicht so wohl, als ich sein sollte, aber ich bin dabei.

ENOBARBUS.

So lange bis Ihr einschlaft; bis dahin bleibt Ihr gewiß nebenbei.

LEPIDUS.

Ja, das muß wahr sein, diese ptolomäischen Pyramichien, sagt man, sind allerliebste Dinger; in allem Ernst, das sagt man.

MENAS beiseit.

Ein Wort, Pompejus!

POMPEJUS.

Sag ins Ohr: was ist's?

MENAS beiseit.

Steh auf von deinem Sitz, ich bitt' dich, Feldherr,

Und hör' mich auf ein Wort!

POMPEJUS.

Wart' noch ein Weilchen!

Den Wein für Lepidus!

LEPIDUS.

Was für 'ne Sorte von Geschöpf ist euer Krokodil?

ANTONIUS.

Es hat eine Gestalt, Herr, wie es selbst, und ist so breit, als seine Breite beträgt; just so hoch, als es hoch ist, und bewegt sich mit seinen eignen Gliedern; es lebt von seiner Nahrung, und haben seine Elemente sich aufgelöst, so wird ein neues Wesen aus ihm.

LEPIDUS.

Was hat es für eine Farbe?

ANTONIUS.

Auch seine eigentümliche Farbe.

LEPIDUS.

Ein kurioser Wurm! –

ANTONIUS.

Allerdings. Und seine Tränen sind naß.

CÄSAR.

Wird ihm diese Beschreibung genügen? –

ANTONIUS.

Nach allen Gesundheiten, die Pompejus ihm bringt; sonst ist er ein wahrer Epikur.

POMPEJUS beiseit zu Menas.

Geh mir und laß dich hängen! mit mir reden?

Geh, tu', wie ich dir hieß! – Wo bleibt mein Becher? –

MENAS.

Hab' ich dir Treu' bewiesen, hör' mich an,

Und komm beiseit!

POMPEJUS.

Du bist nicht klug. Was willst du!

MENAS.

Ich zog die Mütze stets vor deinem Glück ...

POMPEJUS.

Du hast mir immer brav gedient: was weiter?

– Munter, ihr edlen Herrn!

ANTONIUS.

Nehmt Euch in acht

Vor dieser Sandbank, Lepidus; Ihr sinkt! –

MENAS.

Willst du Herr sein der ganzen Welt?

POMPEJUS.

Was sagst du?

MENAS.

Willst Herr der ganzen Welt sein? Zweimal sagt' ich's.

POMPEJUS.

Wie sollte das geschehn?

MENAS.

Sei willig nur;

Und schein' ich noch so arm, ich bin der Mann,

Der dir die ganze Welt gibt.

POMPEJUS.

Bist du trunken?

MENAS.

Mein Feldherr, vor dem Becher wahrt' ich mich;

Du bist, wenn du's nur wagst, der Erde Zeus,

Und was das Meer umgrenzt, umwölbt der Himmel,

Ist dein, wenn du's nur willst.

POMPEJUS.

So sag mir, wie? –

MENAS.

Diese drei Weltenteiler, die Triumvirn,

Faßt unser Schiff: ich kappe jetzt das Tau,

Wir stoßen ab, ich greif' an ihre Kehle,

Und dein ist alles.

POMPEJUS.

Ah! hätt'st du's getan,

Und nicht gesagt! In mir ist's Büberei,

Von dir getreuer Dienst. Vergiß es nie,

Mein Vorteil nicht geht meiner Ehre vor,

Die Ehre ihm! Bereu' es, daß dein Mund

So deine Tat verriet: Tatst du's geheim,

Dann hätt' ich's, wenn's geschehn, als gut erkannt,

Doch nun muß ich's verdammen. – Vergiß, und trink!

MENAS.

Hinfort

Folg' ich nie wieder deinem morschen Glück!

Wer sucht und greift nicht, was ihm einmal zuläuft,

Findet's nie wieder.

POMPEJUS.

Lepidus soll leben!

ANTONIUS.

Tragt ihn ans Land; ich tu' für ihn Bescheid.

ENOBARBUS.

Menas, dein Wohl!

MENAS.

Willkommen, Enobarbus! –

POMPEJUS.

Füllt bis zum Rand den Becher! –

ENOBARBUS.

Der Kerl hat Kräfte, Menas!

MENAS.

Wie?

ENOBARBUS.

Da trägt er

Den dritten Teil der Welt: Mann, siehst du's nicht?

MENAS.

Dies Dritteil also trunken! Wär's die ganze,

So käm' es bald zu Rande!

ENOBARBUS.

Trink', mach' uns keine Schande! –

MENAS.

So komm!

POMPEJUS.

Dies ist noch kein ägyptisch Fest!

ANTONIUS.

Es kommt ihm doch schon nah. Stoßt an die Becher!

Der hier für Cäsar!

CÄSAR.

Ich verbät' es lieber;

s' ist schwere Arbeit, mein Gehirn zu waschen;

Und es wird schmutz'ger.

ANTONIUS.

Sei ein Kind der Zeit!

CÄSAR.

Trink' aus, ich tu' Bescheid: doch lieber fast' ich

Vier Tage lang, als einen so viel trinken.

ENOBARBUS.

O wackrer Imperator!

Soll'n wir ägypt'schen Bacchustanz beginnen

Und feiern diesen Trunk? –

POMPEJUS.

Recht so, mein Krieger! –

ANTONIUS.

Kommt, schließen wir den Reih'n,

Bis der sieghafte Wein den Sinn uns taucht

Im süßen, weichen Lethe.

ENOBARBUS.

Nun umfaßt euch:

Bestürmt das Ohr mit lärmender Musik,

Bis ich euch stelle: dann singt der Knab' ein Lied,

Und jeder fällt mit ein im Chor, so laut,

Als seine starke Brust nur schmettern kann. –


Musik. Enobarbus stellt sie, und sie schließen den Reihen.

Lied

Komm, du König, weinbekränzt,

Bacchus, dessen Auge glänzt:

Du verjagst die Leidgedanken!

In den Locken Epheuranken,

Trinkt, bis alle Welten schwanken,

Trinkt, bis alle Welten schwanken! –

CÄSAR.

Was wollt ihr mehr? Gut' Nacht, Pompejus! Bruder

Gehn wir, ich bitt' Euch: unser ernst Geschäft

Zürnt diesem Leichtsinn. Werte Herrn, brecht auf,

Ihr seht, die Wangen glühn. Selbst Enobarbus

Ist schwächer als der Wein; auch meine Zunge

Spaltet die Worte; wilder Taumel hat uns

Zu Gecken fast vermummt. Was red' ich hier?

Gut' Nacht!

Die Hand, Antonius! Ich bring' Euch ans Land.

ANTONIUS.

Gut, gebt die Hand, Herr!

POMPEJUS.

O Anton, Ihr habt

Des Vaters Haus: was tut's, wir sind ja Freunde! –

Kommt jetzt ins Boot!

ENOBARBUS.

Nehmt euch in acht und fallt nicht!


Pompejus, Cäsar, Antonius und Gefolge ab.


Menas, ich will nicht mit.

MENAS.

Komm zur Kajüte!

He, unsre Trommeln, Flöten, Zymbeln, he!

Hör' es, Neptun, welch lauten Abschied wir

Diesen Gewalt'gen bringen; blast, so blast doch! –


Trompeten und Trommeln.


ENOBARBUS.

Hallo! die Mützen schwenkt!

MENAS.

Brav, wackrer Kriegsmann!

Kommt! –


Gehn ab.


Der Inhalt ist gemeinfrei und wurde übernommen von der Webseite http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

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